Wir sind diesmal eine Gruppe, die aus 5 Männern und einer Frau besteht. Die ungleiche geschlechtliche Verteilung zeigt schon, dass eine harte Tour ansteht. Wir fahren mit dem Zug von Bochum über Mailand nach Cuneo am Rand der Po-Ebene. Das letzte Stück nach Breil-sur-Roya in den französischen Seealpen legen wir mit dem Fahrrad zurück.
Der Ort liegt im Tal der Roya und ist etwa 30 km vom Mittelmeer entfernt. Wir verbringen dort eine Woche in zwei Fertighäusern auf dem Campingplatz und unternehmen Tagestouren zur Küste oder radeln in die Berge. Der zweite Teil der Reise setzt sich in Mailand fort. Wir fahren zuerst zum Comer See, erklimmen den Malojapass und erreichen das schweizer Hochtal Engadin. Die höchste Anhöhe ist am Albulapass erreicht, dann geht es über Chur ins Rheintal hinunter. Der weitere Weg verläuft im wesentlichen an dem Rheindeich entlang. Es geht über Liechtenstein zum Bodensee. Im Regen erreichen wir Konstanz und in Donaueschingen ist unsere Tour beendet.

Streckenverlauf der Rückfahrt von Mailand nach Donaueschingen

Alpenfahrradtour 2007

Breil-sur-Roya (eine Woche Aufenthalt) - Mailand (Bahn) - Comer See - Chiavenna - Maloyapass - Engadin - Silser See - St. Moritz - Albulapass - Chur - Rheintal - Liechtenstein - Konstanz

Ankunft in Breil-sur-Roya
05.06.2007

Abfahrt von Breil-sur-Roya
11.06.2007

In diesem Reisebericht beschreibe ich unsere Alpentour 2007. In der ersten Wochen hatten wir ein festes Quartier in den französischen Seealpen in dem Ort Breil-sur-Roya. Dort waren wir bereits im Vorjahr und der Ort bietet aufgrund der verkehrstechnischen Lage und der Eisenbahnverbindungen einen günstigen Ausgangspunkt für verschiedene interessante Bergtouren und die Mittelmeerküste liegt in Reichweite. Wir sind von Bochum mit dem City Night Line bis nach Mailand gefahren. Von dort sind wir mit einem Nahverkehrszug nach Turin und anschließend nach Cuneo weiter gefahren. Dann müssen wir selber treten.

Nordrampe des Tendapasses bei Limone

Zuerst noch in der Ebene und dann folgt ab Limone der Anstieg zum Tendapass ("Mit love me tender geht's bergan"). An dieser Stelle darf ich die sensationelle Entdeckung der gelben Holunderorchis einfügen, die Wulf während einer Pause an einem Hang entdeckte, wobei ich diese Entdeckung nicht richtig zu würdigen wusste. (In Deutschland ist diese Orchidee nur noch an wenigen Standorten vertreten und steht vor dem Aussterben).

Der motorisierte Verkehr passiert den Alpenkamm durch den Tendatunnel. Der Tunnel ist für Schwerkraftverkehr nur bedingt nutzbar, so dass auf dem Zufahrtsweg schon wenig Verkehr herrscht. Es besteht die Möglichkeit, den Tunnel über eine Passstraße zu umfahren. Allerdings ist die Südrampe - unsere Abfahrt - nicht befestigt, so dass ein normaler Autofahrer nicht auch die Idee kommt, die Umfahrung zu wählen. So ist die Passstrecke fast autofrei.

Beginn des Abstieges am Tendapass

Die Passhöhe von 1871 m mit bepackten Rädern zu bezwingen erfordert schon die Mobilisierung aller Kräfte. Die Skilifte am Wegesrand deuten an, dass im Winter hier wohl mehr los ist. Jeder hat an der Steigung seinen eigenen Tritt, der eine geht die ersten Kilometer schnell an und ermüdet im mittleren Teil, der andere lässt es erstmal langsam bergan gehen und steigert die Kraft bis eine konstante Pulsfrequenz und Leistung erreicht ist, der Dritte steigt bald von Rad und schiebt es, weil es nicht sein Tag ist. Und so kommt es, dass das Feld bald auseinander gerissen ist. Es ist Usus, dass wir Radfahrer uns am Bergscheitel wieder treffen. Nach einer halben Stunde sind wir am Tendapass wieder komplett. Dann fängt es aber an zu regnen.

Die nicht befestigte Südrampe des Tendapasses

Nach der Hütte am Ende des befestigten Abschnittes müssen erst noch einige Höhenmeter auf einer Geröllstraße überwunden werden. Dann ist man an der italienisch-französischen Grenze und von dort kann die Piste auf der Südseite überblickt werden. Jedenfalls ist der weitere Weg unbefestigt und die Straße ist teilweise stark erodiert. Es geht also mit Regenjacke und dauernd gezogener Bremse ins Tal. Die Abfahrt hat bei den meisten einen Satz Bremsbeläge gekostet. Der nächste Fahrradladen ist weit entfernt und befindet sich in Ventimiglia.

Unser Fertighaus auf dem Campingplatz von Breil-sur-Roya

Kurze Schiebestrecke an der Tunnelumfahrung

Tendabahn und alte Straße im Royatal vor Ventemilia

Auf dem kommunalen Campingplatz von Breil-sur-Roya in den französischen Seealpen haben wir zwei Fertighäuser gemietet (20 €/Person.Tag). Von dort haben wir Tagestouren unternommen; wir sind zum Mittelmeer gefahren oder haben die Küste von Ventimiglia bis Nizza abgefahren. Von den beiden Orten fährt die Tendabahn nach Breil-sur-Roya. Der Fluss Roya mündet in Ventimiglia in das Mittelmeer. Die Straße nach Ventimiglia liegt im Tal der Roya, so dass man mit dem Fahrrad schnell die 35 km zur Küste zurücklegen kann. Die Straße ist kurvenreich und man hat oft einen herrlichen Blick in den Flusseinschnitt und auf die an den Bergen klebenden Dörfer. Dazu kommen die Kunstbauten der Tendabahn an den Berghängen, die immer wieder auf Teilstücken auftauchen. Allerdings ist die Straße relativ stark befahren und die Straße weist einige Tunnelpassagen auf.

Sospel

Das lange Tunnelstück von über 3 km Länge im unteren Bereich kann mit dem Rad umfahren werden. Die Umfahrung wird kaum von Autos genutzt. Allerdings ging uns hier Arnold verloren, der die Tunnelpassage wählte.
Die 300 Höhenmeter auf dem Rückweg vom Mittelmeer nach Breil-sur-Roya sind noch gut zu verkraften, da die Steigung moderat ist. Anders sieht es auf dem Weg von Breil-sur-Roya nach Nizza aus. Dort müssen zuerst noch drei Pässe (Col de Vescavo (eine Schippe Sand mit 477 m), Col de Braus 1002 m (viele Schippen Sand), Col de Nice genommen werden, bis man die Stadt am Mittelmeer erreicht hat. Die Industrieareale von Nizza ziehen sich weit ins Hinterland, so dass vor dem Erreichen des Zentrums ca. 15 km stärkerer Straßenverkehr in Kauf genommen werden muss.

Talfahr vom Col des Brouis nach Sospel

Wir sind aber nicht nur zum Mittelmeer gefahren, sondern haben auch einige Bergetappen eingelegt. Wir sind den Fluss Roya weiter hoch (nördlich) nach Tenda gefahren. In dem Ort St. Dalmas de Tende sind wir abgebogen und in dem Flusstal der Bieugne bis nach Casterino in 1543 m Höhe hochgefahren. Am Berg löst sich die Gruppe wie immer auf und je nach Tagesform, Zahl der Butterbrote, Uhrzeit ("Berg am Morgen bringt Kummer und Sorgen") und was sonst noch darein spielt, bildet sich das Feld aus. Arnold und Wulf haben den See Lac de Meches noch vor dem Einsetzen des starken Dauerregens im Trockenen erreicht. Gerd und Rainer folgen hinterher und fahren zu dem höher liegenden Ort Casterino, wo sie die beiden anderen vermuten.

Junge Familie mit Baby auf Europatour auf der Passhöhe

Anstieg zum Col de Turini

Serpentine auf dem Anstieg

Dort gibt es nämlich einige Restaurants. Gerd und Rainer bleiben zwei Stunden in einem der Restaurants, und es regnet immer noch. Jedenfalls ist es mit dem einsetzenden Regen auch kalt geworden, und der Ofen in der Gaststube wird angefeuert. Die wichtigsten Sachen konnten wir zumindest neben der Wärmequelle antrocknen lassen.

Passabfahrt

Der Ort Sospel liegt je nach gewählter Wegstrecken 1 bis 1 ½-Fahrradstunden von Breil-sur-Roya entfernt. Das ist ein sehenswerter Ort an dem Fluss Bevera, der eine Zwischenstation für Touren in den westlich von unserem Ausgangspunkt gelegenen Alpenbereich darstellt. Eine Tagetour führt von Breil-sur-Roya über den Col de Brouis (879 m) nach Sospel. Von dort geht es in dem Flusstal stetig bergan.

Ehemaliger Bahnhof der Tendabahn, der auf einer Bogenkonstruktion über der Straße errichtet wurde

Bis Moulinet hat man durchgehend einen grandiosen Ausblick auf die steilen Berghänge an den Seiten des Flusstals; dann wird die Aussicht durch den Baumbewuchs neben der Straßen versperrt. An der Kapelle Notre Dame de la Menour warten wir auf Arnold. Der kommt aber wieder nicht ("Haben wir den wieder verloren?"); dann folgt eine SMS, in der er mal wieder einen Speichenbruch und seine Rückfahrt in unser Quartier meldet. Mittlerweile meistert Arnold die Situation mit Notspeichen, die vorher entsprechend abgelängt worden sind.

Enger Einschnitt der Straße am Royafluss

Die Tendabahn

Der Ort Tende

Von Sospel bis zum Col de Turini sind 1250 Höhenmeter zu überwinden. Allerdings hat man oben keine Aussichtmöglichkeit, da muss man noch den Mont l´Authion bezwingen. Wir haben danach die Abfahrt über den Ort Peira-Cava eingeschlagen. Im weiteren Verlauf der Etappe sind wir auf die D21 abgebogen und haben dort eine Talfahrt auf engen Serpentinen genossen. Zwischendurch habe ich des öfteren angehalten, um die Sicht ins Tal zu genießen und zu fotografieren - bei der Abfahrt muss man sich ja doch auf die Straße konzentrieren, so dass nur kurze Augenblicke für einen Blick zur Seite bleiben.

Enge Gassen in Breil-sur-Roya

Dann geht es über eine kleine Straße weiter zum Col de Braus. Vorteil ist hier, dass unser eingeschlagener Weg kurz von der Passhöhe mündet, so dass danach gleich die rasante Abfahrt nach Sospel erfolgen kann. Vor dort kommt man über den Col de Vescavo flott nach Breil-sur-Roya zurück.

Straßenwirrwarr in Monaco

Die Rückfahrt von Breil-sur-Roya zur Po-Ebene erfolgt zunächst mit der Tendabahn. Markus, unser Bahnfan, war von den Viadukten und Kehrtunneln mal wieder begeistert. "Schau mal dort drüben, da fahren wird gleich auf der anderen Talseite erstmal wieder zurück". Die Po-Ebene ist fahrradtouristisch nicht besonders interessant, so dass wir mit dem Zug weiter über Turin nach Mailand fahren.

Die italienisch-französische Grenze bei Menton

Der Strand bei Bordighera

Bepacktes Fahrrad in Ventimiglia

In Mailand folgt eine kurze Stadtrundfahrt (Dom, Skala, Galleria Vittorio Emanuele II) und dann wird Suse auf die geplante Heimreise geschickt. Wir wollen ein Quartier etwas außerhalb Mailands suchen. Weiters Ziel ist der Comer See. Irgendeiner aus der Gruppe meint, wir sollten uns Richtung Monza orientieren, da das auf dem Weg liege.

Straßen von Milano

Wir folgen den Straßenschildern, mal Monza mal Coma - was so kommt. Teilweise gibt es Radwege; es ist laut und stickig auf der Ausfallstraße - Warnweste angezogen und mit den Trillerpfeifen bahnen wir uns den Weg. Als dann auch noch der Radweg aufhört, schauen wir doch mal auf die Straßenkarte - Markus hat auch eine passende in der Tasche. Dann stellt sich heraus, dass Monza wohl nicht so richtig ist. Während Monza eher nordöstlich von Mailand liegt, befindet sich Como eher in nordwestlicher Richtung. Jedenfalls fahren wird dann westlich und in dem Ort Desio übernachten wir.

Die Galleria Vittorio Emanuele II

Datum 12.06.2007

Strecke
Desio -Gravedona

Distanz
88,7 km

Durchschnitt
21,1 km/h

Um 9 Uhr starten wir in westliche Richtung und ab Cesano fahren wir auf der S35 in nordwestlicher Richtung. Es herrscht dort dichter Verkehr, eine vernünftige Alternative für unseren Weg gibt es aber nicht. Es geht weiter durch Seveso. Parallel zu der Straße verläuft die Autostrada nach Como. Das ganze Gebiet von Mailand bis hierher ist durchgehend bebaut. Nach dem Abzweig in Cantu wird es etwas ruhiger. Wir verlassen nun das Flachland und die ersten Hügel und Steigungen kommen. Es türmen sich die Berge auf und wir erreichen Como.

Wir passieren Como

Auf der Abfahrt zum Stadtkern bleibt Arnold wieder zurück; die Befürchtungen bewahrheiten sich; wieder ein Speichenbruch. Zum Glück ist das nächste kompetente Fahrradgeschäft nicht weit. Innerhalb einer Stunde sind Arnolds Speichen ersetzt und das Laufrad ist wieder zentriert. Es geht dann durch enge Gassen und an historischen Gebäuden vorbei zum See. Jetzt sind wir endlich dem Mailänder Moloch entkommen. Der See liegt idyllisch eingebettet zwischen den Bergen.

Comer See bei Como

Es ist recht warm an dem Tag, und die Badefraktion ist auf der Pirsch nach einer Badestelle. Das Seeufer ist aber überall unzugänglich und in Privatbesitz; soviel Wasser und wir können nicht hinein springen. In dem Ort Cernobbio gibt es eine Strandpromenade und einen Bootsanleger mit einer Treppe ins Wasser. Wir ziehen uns schnell um und gehen erstmal schwimmen. Auf dem Wasser kreist schon eine Wasser-Polizeipatroullie, die wohl auch nach Schwarzbadenden wie uns Ausschau hält. Die erwischen uns nicht, aber nach dem Bad kommt dann doch ein Ordnungsmitarbeiter zu uns, und erklärt uns verständnisvoll, dass hier wohl das Baden verboten sei.

Kurze Tunnelpassage am Comer See

Wir fahren weiter auf der höher gelegenen Hauptstraße an dem See entlang. An dem Ort Bellagio vereinen sich die beiden Südausläufer des Sees. Einige Orte liegen sehr eingeengt zwischen dem See und den bis an das Ufer reichenden Berghängen. Die Straße durch diese Orte ist teilweise so schmal, dass nur ein ampelgeregelter Einbahnverkehr möglich ist. Als dann noch ein LKW nicht vorankommt ist das Chaos perfekt; aber mit dem Rad kommen wir immer noch irgendwie vorbei. Vor Menaggio entdecken wir am Straßenrand einen nicht verbauten Seestrand. Wir halten sofort an und die Badefraktion stürzt sich nochmals in den See. In dem Ort gibt es anschließend ein leckeres Eis - wir sind ja in Italien.

Bellagio an der Spitze zwischen den beiden Teilarmen des Comer Sees

Nördlich von Menaggio liegen mehrere Straßentunnel. Es ist auf jeden Fall die Umfahrung vorzuziehen, außer wenn es regnet. Das Fahren im Tunnel ist unangenehm. Auch wenn Fahrzeuge noch sehr weit entfernt sind, ist der Lärm so stark, dass man meint, dass die Fahrzeuge direkt hinter einem fahren. Dann hat man als Orientierung nur den Randstreifen zur Verfügung. Automatische Lichteinschaltung und helle LED-Rücklichter sind hier von Vorteil. Das Tragen einer Warnweste für den zuletzt fahrenden ist empfehlenswert. Je stärker die Radgruppe auffällt, umso größerer Abstand wird gehalten.

Villa Franca

Am nördlichen Ende des Comer Sees liegt Gravedona. Dort entdecken wir ein Schild, das auf die private Pension "Villa Franca" hinweist. Franca ist eine ältere nette Dame, die einige Zimmer vermietet. Wir nächtigen dort. Von dem Balkon hat man einen weiten Blick über den See. Zum Empfang gibt es Kekse und wir erstehen eine Flasche ihres selbst produzierten süffigen Rotweins. Als wir essen gehen wollen, fängt es richtig an zu Schütten. Franca hat etliche Regenschirme im Bestand, die sie uns für den Weg zum Restaurant ausleiht. Da bleiben wenigstens die Regenjacken trocken.

Der Hunger treibt uns im Regen Richtung Restaurant

Datum 13.06.2007

Strecke
Gravedona - Maloja

Distanz
66,7 km,

Durchschnitt
15,6 km/h

Nach Drängen von Arnold und Wulf müssen wir schon um 7.30 Uhr frühstücken. Es gibt Weisbrot, Brötchen, Marmelade, Schinken und Mortadella. Nach der Verabschiedung geht es noch ein kurzes Stück am Comer Sees bis zum nördlichen Ende entlang; die Berge liegen derweil noch im Morgennebel verborgen.

Nebenstrecke auf dem Weg vom Comer See nach Chiavenna

Es geht zügig voran; hinter dem See biegen wir auf die S36 und mit leichter Steigung geht es nach Chiavenna. Am Kreisverkehr steht ein Brunnen, den ich zur Abkühlung und zum Auffüllen der Wasserflaschen nutzen. An der Stelle zweigen die Straßen zum Splügenpass und Malojapass ab. Wir wollen über den Maloja und fahren auf der S37 weiter.

Kurze Tunnelpassage auf der Nebenstrecke

Abkühlung nach dem Spurt

Der Brunnen am Kreisverkehr von Chiavenna

Hinter Chiavenna bäumen sich die Berge auf und es geht eine Nummer steiler bergan. Bei Piuro passieren wir den großen Wasserfall. Die Steigung beträgt kurzzeitig 7 - 8 %; dann fängt es an zu Regnen. An der Grenze zur Schweiz stelle ich mich kurz unter und ziehe die Regenjacke an. Dann geht es durch eine Straßengalerie weiter. Bei dem nächsten Regenhalt ist die Gruppe wieder zusammen.

Chiavenna

Im weiteren Verlauf wechseln Passagen mit starker Steigung und fast ebener Bahn sich ab. Hinter dem Ort Casacchia bäumt sich dann die steile Wand auf, an der man Stützwände und LKWs entdeckt. Die Serpentinen liegen dicht nebeneinander, und die Steigung beträgt zwischen 10 und 13 %. So geht es dann die letzten 300 Höhenmeter bergan. Dann taucht ein gemauerter Turm auf, die letzten Kehren können wieder entspannter genommen werden und die Malojapasshöhe (1815 m) ist erreicht. Von dem Rest der Gruppe ist noch keiner zu sehen. Ich suche ein Restaurant auf, um einen trockenen Platz zu haben und trinke einen Kaffee. Markus ist 25 Minuten später oben und Arnold sendet eine SMS, dass die anderen zwischendurch erstmal eingekehrt sind.

Anstieg zum Malojapass

Das letzte heftige Teilsrück am Malojapass

Burg in Maloja

Die zuerst als Übernachtungsstätte ins Auge gefasste Jugendherberge von Maloja ist belegt. Jedoch bekommen wir in dem Sporthotel für schweizer Verhältnisse günstige 35 €/Person im Doppelzimmer unter. Wir sind relativ früh angekommen, das Wetter klart am Spätnachmittag auf. Wir unternehmen noch einen Spaziergang zu dem Burggebäude und zum Silser See.

Blick auf den Silser See im Engadin

Datum 14.06.2007

Strecke
Maloja - Rhäzüns

Distanz
98,5 km

Durchschnitt
19,7 km/h

Am Morgen steht die Sonne über dem Engadin, der Regen ist (erstmal) vergessen. Die Berge sind kaum noch in Wolken eingehüllt und die Sonne glitzert über dem Silser See: Postkartenidylle. Weiter fahren wir durch das Engadiner Hochtal ein. Der Weg folgt dem Oberlauf des Inns, und es folgt der Silvaplaner See. Am Wegesrand blühen die Alpenblumen, von denen die meisten Wulf der Art nach zuzuordnen weis - wo unser einer schon mal eine banale Ranke mit einer Orchidee verwechselt. Abschnittsweise nehmen wir den schmaleren und für Fahrräder ausgeschilderten Weg, der am Hang verläuft. Wir passieren St. Moritz und Samedan und begegnen der Albulabahn.

Silser See am Morgen

An dem Abzweig in La Punt zum Albulapass legen wir eine Frühstückspause ein. Ich demontiere erstmal meine vorderen Bremsbeläge, um die Fremdkörper aus dem Bremsgummi zu entfernen, die zu schabenden Geräuschen beim Abbremsen führen und die Felgen auch schon angegriffen haben. Die anderen Mitfahrer erhalten einen Vorsprung für die Bezwingung des Passes.

Das Engadin und der Oberlauf des Inns

Gleich nach dem Abbiegen setzt die Steigung mit 10 % und mehr ein. In Serpentinen geht es steil bergan. In der Höhenlage erreicht man bald die Baumgrenze und die mit Wiesen und Blumen überzogenen Berghänge säumen den Weg. Der Autoverkehr ist zum Glück gering, da die Nachbarpässe (Julier, Flüelapass) motorisiert schneller zu passieren sind. Dafür wird der Pass von Motorradfahrern gerne genutzt. Nach dem steilen Anstieg auf den ersten 4 km wird die Steigung im weiteren Verlauf deutlich geringer und vor der Passhöhe gibt es sogar ebene Straßenabschnitte, so dass die Pulsfrequenz oben schon fast wieder im normalen Bereich liegt.

Albulapass

Der Albulapass ist mit 2312 m die höchste Erhebung auf unserer Alpentour. Nach dem Hospizbesuch mit Kaffeetrinken geht's auf dem restlichen Tourverlauf fast nur noch bergab. Zuerst passieren wir auf der noch breiten Straße eine Steinwüste, dann folgt der bewaldete Teil. Die Straße wird schmaler und vor Preda stoßen wir auf die Kunstbauten der Albulabahn. Hier beginnt der Eisenbahntunnel, der zwischen Spinas im Val Bever und Preda verläuft. Einen Zug kann man je nach Beobachtungsposition bis zu dreimal sehen, in Kehrtunneln schraubt er sich hier in die Höhe und taucht an gleicher Stelle eine Etage höher wieder auf.

Passhöhe des Albualpasses

Auf der serpentinenreichen Straße geht es dann weiter bergab über Filisur und weiter nach Tiefencastel. Dort ist der Abzweig, der über die Lenzerheide direkt nach Chur führt. Allerdings muss man erst wieder 600 Höhenmeter erklimmen, um die Passhöhe von 1549 m zu erreichen. Die Mehrheit unserer Gruppe hat sich aber für den einfacheren (Um-)Weg entschieden.

Abfahrt vom Albula

Die Albulabahn fährt in den Kehrtunnel..

.. und erscheint wenig später auf dem Viadukt

So fahren wir oberhalb des Albulaflusses auf der landschaftlich schönen Strecke nach Thusis. Es herrscht lebhafter Auto- und Schwerlastverkehr. Auf der Strecke liegen mehrere lange Tunnelpassagen, die nicht umfahren werden können. Warnweste anziehen, Licht an und mal pfeifen, um schnell erkannt zu werden. In Thusis stoßen wir auf den Rhein. Die Straße auf der linken Flussseite ist wenig befahren, zumal der Fernverkehr wohl die Autobahn nutzt, die parallel verläuft. Mit stetem Gefälle geht es flott voran. Um 18.30 Uhr nehmen wir 15 km vor Chur in dem Ort Rhäzuns Quartier.

Straßensperrung auf der Abfahrt vom Albualpass

Datum 15.06.2007

Strecke
Rhäzüns - Konstanz

Distanz
163,8 km

Durchschnitt
21,1 km/h

Am Morgen ist der Himmel bedeckt. Nach einigen Kilometern Fahrt erreichen wir den Rheinhauptstrom. Wir folgen dort dem ausgeschilderten Radweg am Flussufer entlang. Abschnittsweise verläuft der Radweg direkt neben der Autobahn und er ist von dieser zwar durch eine Schallschutzmauer abgetrennt, aber diese Passage ist einer der lauteren Abschnitte unserer Tour. Neben dem Rhein türmen sich die Berge auf, aber unser Weg führt mit konstantem leichten Gefälle immer am Flussufer entlang.

Im Rheintal bei Chur

Wir umfahren Chur und der Radweg verläuft dann weiter in nördlicher Richtung. Um dem Steigungsentzug vorzubeugen, gibt es noch eine kleine Bergetappe. In dem Ort Maienfeld verlassen wir die Hauptstraße, um uns dem Luziensteig zu stellen. Es müssen 400 Höhenmeter überwunden werden, um die Anhöhe von 713 m zu erreichen. Danach gibt es wieder eine rasatante Abfahrt durch ein Waldgebiet und in Balzers treffen wir wieder auf die stärker befahrene Hauptstraße. Wir haben Liechtenstein erreicht. Wir durchqueren Vaduz und biegen in Schaan wieder auf den Rheinuferweg ab.

Burg in Liechtenstein

Der autofreie Radweg ist asphaltiert und trotz leichtem Gegenwind geht es mit scharfem Tempo weiter Richtung Bodensee. Der Rhein bildet hier die Grenze zwischen der Schweiz und Österreich. Die Berge treten weiter in den Hintergrund, aber trotzdem zieht sich das letzte Teilstück zum Bodensee ziemlich hin.

Schmale Hängebrücke über den den Hinterrhein bei Thusis

Der Himmel verfinstert sich, und als es dann noch anfängt zu regnen, verziehen wir uns in dem Ort Höchst erstmal in ein Cafe. Aber es ist kein kurzer Platzregen, so dass wir uns nach Kaffee und Kuchen die Regenkleidung anziehen. Im Regen geht es dann weiter in nordwestliche Richtung zur schweizer Seite des Bodensees. Am Ufer des Alten Rheins bleibt Wulf zurück: Platten. Im stärksten Regen muss der Schlauch gewechselt werden - mit vereinten Kräften geht's auch unter solch widrigen Bedingungen.

Vorbereitung auf die Regenpassage vor dem Erreichen des Bodensees

Bei Rohrschach erreichen wir dann endlich den Bodensee, der erscheint bei den Wetterbedingungen aber eher wie die Nordsee bei Sturmflut. Im Regen geht es weiter auf dem Bodenseeradweg entlang. Bis Arbon verläuft der Radweg zum großen Teil an der Uferstraße entlang.
Langsam durchdringt die Nässe auch die hochwertigste Regenkleidung, am besten immer weiter fahren, dann gleicht die produzierte Wärme den erhöhten Wärmeverlust durch feuchte Kleidung wieder aus, jedenfalls in der Theorie. Unangenehm sind die klammen Finger nach langer Regenfahrt.

Schlauchwechsel im Regen

Nach Romanshorn ist der Radweg abseits der Hauptstraße meistens neben der Trasse der "Thurbo-Bahn" angelegt. Unser gestecktes Ziel ist Konstanz. Je weiter wir uns dem Ziel nähern umso geringer wird der Regen. Dann passieren wir Kreuzlingen, dann die Grenze nach Deutschland und wir sind in Konstanz. Am Ende war dies mit 163 km meine längste Reiseradetappe, und wahrscheinlich auch einer der längsten Regenetappen.

Konstanz am sonnigen Morgen

Datum 16.06.2007

Strecke
Konstanz - Donaueschingen

Distanz
97,8 km

Durchschnitt
18,2 km/h

Da wir unseren Zielort somit einen Tag zu früh erreichen, bleibt noch ein Zusatztag über. Den nutzen wir, um der Route des vorgebuchten Zuges zu folgen. Bis auf ein kurzes heftiges Gewitter hält sich das Wetter den Tag über. Wir fahren noch bis Donaueschingen und steigen dort in den Zug.

Stärkung auf der letzten Passage nach Donaueschingen